TINA HABER
Panorama


5. - 26.07.2025


LAURA MARS GALLERY
Bülowstraße 52 - 10783 Berlin - lauramars.de
Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-19 Uhr, Sa 13-18 Uhr


Pressemitteilung

In ihrer Ausstellung Panorama zeigt Tina Haber eine Serie abstrakter Papiercollagen und Film-Loops, die sich inhaltlich und kompositorisch auf die Horizontlinie beziehen. Durch die Andeutung von Licht und Schatten gewinnen die Bilder an Tiefe, abstrakte Formen und verschachtelte Ebenen werden sichtbar. Die Arbeiten folgen keiner eindeutigen räumlichen Perspektive – vielmehr entfalten sie einen instabilen, beinahe surrealen Bildraum, der sich von der traditionellen Idee des Panoramas löst.
Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die ersten monumentalen Panoramamalereien in eigens dafür errichteten Rotunden ausgestellt, um den Besucher:innen einen nahtlosen 360°-Blick auf ferne Städte, Landschaften und Schlachtfelder zu bieten. Zeitgenössische Pressekritiken berichteten von einer überwältigenden Erfahrung der Ununterscheidbarkeit von Wirklichkeit und Täuschung, die bei manchen eine „tiefe Irritation“ ausgelöst habe – bis hin zu „Schwindel und Übelkeit“*. Man vermutete, dass diese physischen Symptome durch die vollständige visuelle Trennung von der realen Umgebung verursacht wurden. Offenbar irritierte die in alle Richtungen geschlossene, baulich stabilisierte Illusion das körperliche Orientierungsgefühl.

Tina Habers Panorama-Serie wirkt hingegen so, als könnte sie jederzeit zerfallen, von der Wand abblättern und den Blick auf etwas anderes freigeben. Manche der Zeichnungen hängen an leicht gebogenen Stellwänden, die frei im Galerieraum stehen wie Fragmente einer Kulisse. Diese zusätzliche architektonische Struktur wirkt provisorisch und könnte ? ebenso wie die modularen Papiercollagen ? in alle Richtungen weitergeführt werden. Ergänzend dazu zeigen Habers Animationen zeichenhafte minimalistische Sequenzen, die den Blick entlang der Horizontlinie mit den Augenbewegungen beim Lesen von Text verbinden.


* Koschorke, Albrecht: Das Panorama. Die Anfänge der modernen Sensomotorik um 1800. In: Harro Segeberg (Hrsg.),
Die Mobilisierung des Blicks. München: Fink Verlag, 1996.

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TINA HABER
Panorama


5. - 26.07.2025


LAURA MARS GALLERY
Bülowstraße 52 - 10783 Berlin - lauramars.de
Open hours: Wed-Fri 1-7, Sat 1-6 pm


Press release

In her exhibition Panorama, Tina Haber presents a series of abstract paper collages and film loops that relate to the horizon line in both content and composition. The images gain depth through the suggestion of light and shadow, abstract forms and nested layers become visible. The works do not follow a fixed spatial perspective—rather, they unfold into an unstable, almost surreal pictorial space that departs from the traditional notion of the panorama.

At the beginning of the 19th century, the first monumental panoramic paintings were exhibited in specially constructed rotundas, to offer visitors a seamless 360-degree view of distant cities, landscapes, and battlefields. Contemporary press reviews reported an overwhelming experience of the indistinguishability between reality and illusion, which in some caused "deep irritation" – even "dizziness and nausea"*. These physical symptoms were thought to be caused by the complete visual separation from the real environment. Apparently, the fully enclosed, architecturally stabilized illusion disrupted the body‘s sense of orientation.

In contrast, Tina Haber’s panorama series seems as though they might fall apart at any moment or peel away from the wall, revealing something else. Some of the drawings are mounted on slightly curved display panels positioned within the gallery space like fragments of a stage set. The permanent gallery walls recede behind an additional, incomplete architectural structure that, like the modular paper collages themselves, could be extended in any direction. In addition, Haber's animations show glyph-like minimalist sequences that link the gaze along the horizon with the eye movements when reading text.

* Koschorke, Albrecht (1996): Das Panorama. Die Anfänge der modernen Sensomotorik um 1800. In: Harro Segeberg (Hrsg.),
Die Mobilisierung des Blicks. München: Fink Verlag, 1996.